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Ein Tag mit Tamikrest

von Petra Hassan / 1 Kommentar
09.01.2012 um 09:18 Uhr

Berlin im Dezember, es ist windig und ungemütlich, ich stehe Mittags vor der Philharmonie und warte auf Tamikrest, eine Tuaregband aus Mali. Im Korb mit dabei mein Gaskocher, eine blaue Teekanne, grüner Tee, Zucker, kleine Gläser. Der letzte Konzerttag der Herbst- / Wintertour meiner Freunde aus der Sahara ist angebrochen und ich freue mich, dass ich es zumindest an diesem Tag geschafft habe, in Berlin dabei zu sein.

Die erste Frage von Wounu, der Sängerin im gleichen Satz mit der Begrüßung „hast Du alles für den Tee dabei“?… der Gaskocher der Band ist irgendwo in den letzten Tagen auf der Strecke quer durch halb Europa hängen geblieben, denn bittersüßer, schaumiger Grüntee gehört zum Nomadenleben dazu wie Luft zum atmen. Apropos Nomaden, der Konzertabend in Berlin wird etwas anders sein als die sonst eher rockigen Konzerte von Tamikrest, er fällt unter die Kategorie „Unterwegs-Weltmusik mit Roger Willemsen“ zusammen mit der Nomadengruppe Huun Huur Tu aus der Mongolei.

Kaum in der Künstlergarderobe angekommen ist als erstes natürlich Zeit für Tee, Wounu bereitet den köstlichen Grüntee und wir sprechen einen gemischten Wörtersalat aus arabisch, französisch und Tamasheq, der Sprache der Tuareg  und warten auf den Soundcheck.

Zwischendurch bleibt noch etwas Zeit, gemeinsam den Potsdamer Platz unsicher zu machen. Das vorweihnachtlich geschmückte Berlin zeigt sich von der ungemütlichen Seite. Wir sind bewaffnet mit ein, zwei Regenschirmen und einem Kameramann im Schlepptau der unseren Erkundungen folgt. Nach unserem kurzen Einkaufsmarathon sind wir auch schon wieder in der Philharmonie, die Band wirft sich in Schale: In bunt-leuchtende Gewänder und kunstvoll geschlungenen Kopfputz, prächtig sehen sie aus, die Söhne und die Tochter der Wüste!

Der ehrwürdige Kammermusiksaal in der Philharmonie füllt sich, das Konzert beginnt! Quasi zwischen Tür und Angel bzw. Platz und Konzertbeginn treffe ich dann auch endlich Karsten vom feed magazin, offline in live und Farbe, wir kannten uns ja bis dato nur online. :)

Das Konzert beginnt. Mysteriös verzaubernde Sounds aus der Sahara, Gitarrenklänge wie schimmernde Perlen an einer Schnur aneinandergereiht, unterlegt von einem unauf- dringlichen und einen dennoch in den Bann ziehenden Rhythmus. Dazwischen Erklärendes von Roger Willemsen und Turaeg-Poesie von Robert de Niro-Synchron- stimme Christian Brückner. Nach einer kurzen Pause geht die musikalische Reise weiter in die Mongolei, der Sound der Steppe in Berlin mit Huun Huur Tu, Obertongesänge die Gänsehaut verursachen. Wir werden versetzt in eine andere Welt mit Musik die klingt wie ein Gewittersturm über der windgepeitschten Steppe, wohlig eingehüllt wie in eine Jurte aus wärmendem Filz, der Klang von Pferdehufen und Greifvögeln…

Der krönende Abschluß bildet ein gemeinsames Stück beider Bands. Wenn ich nicht wüsste, dass sich die Musiker einen Tag davor erstmals begegnet sind, hätte ich gedacht, sie musizierten schon immer miteinander; wahrlich grandios! Es ist das unsichtbare Zeichen der Nomaden das alle miteinander verbindet. Standing ovations für Tamikrest und Huun Huur Tu in Berlin; was für ein wunderbarer Abschluß der Europatour für meine Freunde aus der Sahara, strahlende Gesichter!

Abschied am nächsten Tag, der Flieger geht für meine Freunde via Paris zurück in die Sahara, *ar assaghat* „bis bald“  und *tanemert hullan* „vielen Dank“ Tamikrest, für einen wunderbaren Tag und ein ebensolches Konzert! Zum Glück gibt es ja das Internet und sms für Wüstenzeit online bis zur nächsten Tour….auch wenn die Verbindung manchmal wie ein Sandsturm ist zwischen der Sahara und meinem Computer :)

Fotos: Petra Hassan für Tamikrest

über mich :)
Aufgewachsen unter bayrisch blau-weißem Himmel, wohnhaft im Mittelnorden Deutsch- lands lebe ich ein Leben zwischen Sahara, Orient und Occident. Ranipink ist der Name meines kleinen Labels in dem der permanente *Inspirationssalat* aus meinem Kopf in handgefertigte Kleidung und Accessoires umgesetzt wird… als Entspannungsprogramm arbeite ich noch einige Stunden in der Woche bei H&M, wenn ich nicht gerade mal wieder auf dem fliegenden Teppich unterwegs bin… www.ranipink.blogspot.com




1 Kommentar zu Ein Tag mit Tamikrest


01 / von Susi Reuss
11. Januar 2012 um 15:49

Ein schöner Bericht vom Berlin-Konzert ( es freut mich besonders, dass es mit der “Teezeremonie” wieder klappte!)..Anscheinend waren wir auch “gemeinsam ” beim Konzert in Kassel …ich versuchte in 2011 bei möglichst vielen Auftritten von Tamikrest dabei zu sein -3 x schaffte ich es ( OBS 15 , Kassel und Berlin). Ich hatte mich während einer Wüstenwoche in Südalgerien mit der Tamashek-Musik rettungslos infiziert…mittlerweile geht mein Interesse über die Musik hinaus und ich verfolge u.a.im Internet auch die wechselvolle Geschichte dieses Volkes, das über 5 Staaten “verteilt” wurde und aktuell große Probleme wegen der Dürre und der polit. Situation in Nord-Mali hat. Vielleicht trifft man sich ja mal in 2012? Werde im Februar wieder 14 Tage in Südalgerien sein u. e. 10-täg. Kameltrekking mitmachen… Grüße von der Nordsee !




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